Weiblicher Orgasmus beim Sex: Warum die Art der Berührung entscheidend ist
- wiebkebergermann
- 14. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Was Frauen wirklich beim Sex unterstützt – und warum viele Erwartungen überdacht werden dürfen.
Viele Frauen fragen sich:„Warum komme ich beim Sex nicht (oder nicht regelmäßig) zum Orgasmus?“ Diese Frage ist oft mit Unsicherheit, Selbstzweifeln oder sogar Scham verbunden. Die gute Nachricht vorweg: Das hat in den allermeisten Fällen nichts mit „Nicht-Können“, Defiziten oder mangelnder Lust zu tun.
Eine große sexualwissenschaftliche Studie aus Deutschland zeigt sehr klar: Der weibliche Orgasmus hängt entscheidend davon ab, wie stimuliert wird – nicht davon, ob „alles richtig läuft“.
1. Orgasmus ist nicht gleich Orgasmus – und schon gar nicht selbstverständlich
Lange Zeit wurde weiblicher Orgasmus eindimensional betrachtet: Kommt er beim Geschlechtsverkehr vor – ja oder nein?
Die Forschung zeigt jedoch ein viel differenzierteres Bild:
Nur etwa ein Drittel der Frauen erlebt regelmäßig Orgasmen allein durch vaginale Penetration
Deutlich häufiger treten Orgasmen auf, wenn die Klitoris direkt einbezogen wird
Bei Masturbation erleben die meisten Frauen sehr zuverlässig Orgasmen
Das ist kein Zufall, sondern anatomisch und neurobiologisch erklärbar. Die Klitoris ist das zentrale Lustorgan – sie besitzt tausende Nervenenden und ist für die meisten Frauen der direkte Weg zum Orgasmus.
Bedeutung für dich: Wenn du beim reinen „Penetrationssex“ selten oder nie kommst, bist du vollkommen normal.

2. Klitorale Stimulation ist kein „Zusatz“, sondern zentral
Die Studie zeigt eindeutig:
Orgasmen treten am häufigsten auf bei
direkter klitoraler Stimulation
Oralsex
manueller Stimulation durch die Partner*in
Selbststimulation während des Sex
Interessant ist: Viele Frauen erleben entweder sehr regelmäßig oder fast nie Orgasmen über bestimmte Stimulationsarten – ein „Mittelfeld“ gibt es kaum. Das deutet darauf hin, dass jede Frau ihre bevorzugten Wege zur Lust hat.
Bedeutung: Es gibt nicht die richtige Art, Sex zu haben – sondern individuelle, lernbare und veränderbare Wege zu Genuss.
3. Warum „vaginale Orgasmen“ emotional so stark aufgeladen sind
Ein besonders spannendes Ergebnis der Studie: Orgasmen durch vaginale Penetration sind stärker mit Zufriedenheit verknüpft als andere Orgasmen – obwohl sie seltener auftreten.
Warum?
Gesellschaftliche Sexualmythen („So sollte Sex sein“)
Filme, Medien und alte psychoanalytische Vorstellungen
Die unausgesprochene Norm: „Beim Geschlechtsverkehr sollte es einfach passieren.“
Viele Frauen berichten:
„Als ich hörte, dass das vielen Frauen so geht, war ich erleichtert – und habe mich trotzdem irgendwie unnormal gefühlt.“
Bedeutung: Nicht der Orgasmus selbst verursacht Leid, sondern der Vergleich mit unrealistischen Erwartungen.

4. Selbststimulation beim Sex: innerlich akzeptiert – praktisch oft gehemmt
Ein weiteres zentrales Ergebnis:
Die meisten Frauen finden klitorale Selbststimulation beim Sex eigentlich sinnvoll, gut und legitim
Trotzdem setzt sie über ein Drittel der Frauen nie um
Warum diese Diskrepanz?
Scham oder Unsicherheit („Darf ich das?“)
Angst, egoistisch zu wirken
Leistungsdruck („Ich sollte doch so kommen“)
Geringe sexuelle Selbstwirksamkeit
Selbst Frauen mit hohem Bildungsniveau und offenem Zugang zu Sexualität berichten von inneren Hemmungen.
Bedeutung: Sexuelle Freiheit beginnt nicht nur im Kopf, sondern braucht emotionale Sicherheit, Erlaubnis und Kommunikation.
5. Genuss statt Zielorientierung – warum das so wichtig ist
Die Studie macht auch eines deutlich: Sexuelle Zufriedenheit hängt stärker mit Genuss, Verbundenheit und Akzeptanz zusammen als mit der Orgasmus-Häufigkeit allein.
Frauen, die:
ihren Körper gut wahrnehmen
Fantasien zulassen
verschiedene Berührungen erkunden
weniger Leistungsdruck empfinden
berichten von:
höherer sexueller Zufriedenheit
mehr emotionaler Nähe
stabilerer Lust in Langzeitbeziehungen
Bedeutung: Der Orgasmus darf ein Highlight sein – aber kein Prüfstein für „guten Sex“.

6. Was das für Sexualtherapie und persönliche Entwicklung bedeutet
Diese Erkenntnisse sind enorm entlastend – und gleichzeitig empowernd.
In der therapeutischen Arbeit heißt das:
Weg von „Was stimmt nicht mit mir?“
Hin zu „Was brauche ich – und wie kann ich es mir erlauben?“
Häufige therapeutische Ansatzpunkte sind:
Aufklärung über weibliche Sexualität
Entlastung von Mythen und Leistungsdruck
Erforschen eigener Lustwege
Erweiterung des sexuellen Repertoires
Stärkung sexueller Selbstbestimmung
Kommunikation in der Partnerschaft
Viele Schwierigkeiten lösen sich bereits durch Verstehen, Erlaubnis und neue Perspektiven – nicht durch „mehr Anstrengung“.
Zum Schluss – eine Einladung an dich
Wenn du dich in manchen Punkten wieder erkennst: Du bist nicht allein.Und du bist nicht falsch. Weibliche Sexualität ist vielfältig, wandelbar und zutiefst individuell. Sie darf neugierig sein, spielerisch, leise oder intensiv – und vor allem: deine eigene.
In meiner Arbeit als Paar- & Sexualtherapeutin begleite ich Frauen dabei,
ihren Körper neu zu verstehen
innere Blockaden zu lösen
Lust jenseits von Erwartungen zu entdecken
und Sexualität wieder als lebendigen, verbindenden Raum zu erleben
Wenn du möchtest, unterstütze ich dich gern auf diesem Weg. Wenn du dir die Studie genauer anschauen möchtest findest du sie hier: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/a-1479-8904.pdf




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