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Weiblicher Orgasmus beim Sex: Warum die Art der Berührung entscheidend ist

Was Frauen wirklich beim Sex unterstützt – und warum viele Erwartungen überdacht werden dürfen.


Viele Frauen fragen sich:„Warum komme ich beim Sex nicht (oder nicht regelmäßig) zum Orgasmus?“ Diese Frage ist oft mit Unsicherheit, Selbstzweifeln oder sogar Scham verbunden. Die gute Nachricht vorweg: Das hat in den allermeisten Fällen nichts mit „Nicht-Können“, Defiziten oder mangelnder Lust zu tun.

Eine große sexualwissenschaftliche Studie aus Deutschland zeigt sehr klar: Der weibliche Orgasmus hängt entscheidend davon ab, wie stimuliert wird – nicht davon, ob „alles richtig läuft“.


1. Orgasmus ist nicht gleich Orgasmus – und schon gar nicht selbstverständlich

Lange Zeit wurde weiblicher Orgasmus eindimensional betrachtet: Kommt er beim Geschlechtsverkehr vor – ja oder nein?


Die Forschung zeigt jedoch ein viel differenzierteres Bild:

  • Nur etwa ein Drittel der Frauen erlebt regelmäßig Orgasmen allein durch vaginale Penetration

  • Deutlich häufiger treten Orgasmen auf, wenn die Klitoris direkt einbezogen wird

  • Bei Masturbation erleben die meisten Frauen sehr zuverlässig Orgasmen


Das ist kein Zufall, sondern anatomisch und neurobiologisch erklärbar. Die Klitoris ist das zentrale Lustorgan – sie besitzt tausende Nervenenden und ist für die meisten Frauen der direkte Weg zum Orgasmus.


Bedeutung für dich: Wenn du beim reinen „Penetrationssex“ selten oder nie kommst, bist du vollkommen normal.



2. Klitorale Stimulation ist kein „Zusatz“, sondern zentral

Die Studie zeigt eindeutig:

  • Orgasmen treten am häufigsten auf bei

    • direkter klitoraler Stimulation

    • Oralsex

    • manueller Stimulation durch die Partner*in

    • Selbststimulation während des Sex


Interessant ist: Viele Frauen erleben entweder sehr regelmäßig oder fast nie Orgasmen über bestimmte Stimulationsarten – ein „Mittelfeld“ gibt es kaum. Das deutet darauf hin, dass jede Frau ihre bevorzugten Wege zur Lust hat.


Bedeutung: Es gibt nicht die richtige Art, Sex zu haben – sondern individuelle, lernbare und veränderbare Wege zu Genuss.


3. Warum „vaginale Orgasmen“ emotional so stark aufgeladen sind

Ein besonders spannendes Ergebnis der Studie: Orgasmen durch vaginale Penetration sind stärker mit Zufriedenheit verknüpft als andere Orgasmen – obwohl sie seltener auftreten.


Warum?

  • Gesellschaftliche Sexualmythen („So sollte Sex sein“)

  • Filme, Medien und alte psychoanalytische Vorstellungen

  • Die unausgesprochene Norm: „Beim Geschlechtsverkehr sollte es einfach passieren.“


Viele Frauen berichten:

„Als ich hörte, dass das vielen Frauen so geht, war ich erleichtert – und habe mich trotzdem irgendwie unnormal gefühlt.“

Bedeutung: Nicht der Orgasmus selbst verursacht Leid, sondern der Vergleich mit unrealistischen Erwartungen.



4. Selbststimulation beim Sex: innerlich akzeptiert – praktisch oft gehemmt

Ein weiteres zentrales Ergebnis:

  • Die meisten Frauen finden klitorale Selbststimulation beim Sex eigentlich sinnvoll, gut und legitim

  • Trotzdem setzt sie über ein Drittel der Frauen nie um


Warum diese Diskrepanz?

  • Scham oder Unsicherheit („Darf ich das?“)

  • Angst, egoistisch zu wirken

  • Leistungsdruck („Ich sollte doch so kommen“)

  • Geringe sexuelle Selbstwirksamkeit


Selbst Frauen mit hohem Bildungsniveau und offenem Zugang zu Sexualität berichten von inneren Hemmungen.


Bedeutung: Sexuelle Freiheit beginnt nicht nur im Kopf, sondern braucht emotionale Sicherheit, Erlaubnis und Kommunikation.


5. Genuss statt Zielorientierung – warum das so wichtig ist

Die Studie macht auch eines deutlich: Sexuelle Zufriedenheit hängt stärker mit Genuss, Verbundenheit und Akzeptanz zusammen als mit der Orgasmus-Häufigkeit allein.


Frauen, die:

  • ihren Körper gut wahrnehmen

  • Fantasien zulassen

  • verschiedene Berührungen erkunden

  • weniger Leistungsdruck empfinden


berichten von:

  • höherer sexueller Zufriedenheit

  • mehr emotionaler Nähe

  • stabilerer Lust in Langzeitbeziehungen


Bedeutung: Der Orgasmus darf ein Highlight sein – aber kein Prüfstein für „guten Sex“.



6. Was das für Sexualtherapie und persönliche Entwicklung bedeutet

Diese Erkenntnisse sind enorm entlastend – und gleichzeitig empowernd.

In der therapeutischen Arbeit heißt das:

  • Weg von „Was stimmt nicht mit mir?“

  • Hin zu „Was brauche ich – und wie kann ich es mir erlauben?“


Häufige therapeutische Ansatzpunkte sind:

  • Aufklärung über weibliche Sexualität

  • Entlastung von Mythen und Leistungsdruck

  • Erforschen eigener Lustwege

  • Erweiterung des sexuellen Repertoires

  • Stärkung sexueller Selbstbestimmung

  • Kommunikation in der Partnerschaft


Viele Schwierigkeiten lösen sich bereits durch Verstehen, Erlaubnis und neue Perspektiven – nicht durch „mehr Anstrengung“.


Zum Schluss – eine Einladung an dich

Wenn du dich in manchen Punkten wieder erkennst: Du bist nicht allein.Und du bist nicht falsch. Weibliche Sexualität ist vielfältig, wandelbar und zutiefst individuell. Sie darf neugierig sein, spielerisch, leise oder intensiv – und vor allem: deine eigene.


In meiner Arbeit als Paar- & Sexualtherapeutin begleite ich Frauen dabei,

  • ihren Körper neu zu verstehen

  • innere Blockaden zu lösen

  • Lust jenseits von Erwartungen zu entdecken

  • und Sexualität wieder als lebendigen, verbindenden Raum zu erleben


Wenn du möchtest, unterstütze ich dich gern auf diesem Weg. Wenn du dir die Studie genauer anschauen möchtest findest du sie hier: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/a-1479-8904.pdf

 
 
 

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