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Queere Paare streiten, begehren und entfremden sich wie alle anderen Paare. Dazu kommen ein paar Fragen, die aus einer fehlenden Vorlage entstehen. Wer welche Rolle hat, wie Sex aussieht und wie Familie entsteht, wird ausgehandelt statt übernommen. Das gibt Freiheit, und es macht Arbeit.

Mit „queer“ meine ich hier alle Beziehungen, die nicht aus einem heterosexuellen Mann und einer heterosexuellen Frau bestehen: lesbische und schwule Paare, Beziehungen mit bisexuellen, trans oder nicht-binären Menschen.

Was gleich ist

Wenn ein lesbisches oder schwules Paar zu mir kommt, geht es meist um dasselbe wie bei allen anderen. Ein Streit, der sich im Kreis dreht. Eine Person will mehr Sex als die andere. Der Alltag hat die Nähe aufgefressen. Diese Themen haben mit der sexuellen Orientierung wenig zu tun. Dazu finden Sie mehr unter Streit in der Beziehung und Keine Lust mehr auf Sex in der Beziehung.

Manche queeren Paare zögern trotzdem, darüber zu sprechen. Sie wollen nicht das Bild bestätigen, ihre Beziehungen seien schwieriger. Probleme zu haben, sagt aber nichts über die Beziehungsform. Es sagt, dass zwei Menschen miteinander leben.

Rollen ohne Vorlage

In heterosexuellen Beziehungen gibt es alte Muster, wer sich um was kümmert. Man kann sie ablehnen, aber sie sind da. Queere Paare haben diese Vorlage nicht. Wer kocht, wer verdient mehr, wer ergreift beim Sex die Initiative? Das muss besprochen werden.

Für viele ist das eine Erleichterung. Es kann aber auch heißen, dass alles verhandelbar bleibt und nichts selbstverständlich wird. Manchmal übernehmen Paare doch ein Muster, ohne es zu merken, und eine Person trägt dann mehr, als sie wollte.

Wenn eine Person offener lebt als die andere

Ein häufiges Thema: Die eine Person ist überall geoutet, die andere nicht. Vielleicht weiß die Familie nichts, vielleicht die Kolleginnen und Kollegen. Für die eine Person ist das Schutz. Die andere fühlt sich versteckt, als wäre die Beziehung etwas, das man nicht zeigen darf.

Beide Seiten haben gute Gründe. Wer sich nicht outet, hat oft Erfahrungen gemacht oder befürchtet sie, die die andere Person nicht kennt. Wer offen lebt, möchte mit dem Menschen, den er oder sie liebt, nicht unsichtbar sein. In einer Paartherapie lässt sich besprechen, was beide brauchen, ohne dass eine Person die andere drängt.

Was von außen in die Beziehung wirkt

Fachleute sprechen von Minderheitenstress: der Belastung, die entsteht, wenn man als Teil einer Minderheit mit Abwertung rechnen muss. Das beginnt bei der Frage, ob man auf der Straße die Hand des Partners halten kann. Es geht weiter bei Kommentaren in der Familie und hört bei der Angst vor Gewalt nicht auf.

Diese Anspannung kommt mit nach Hause. Sie kann sich in Gereiztheit zeigen, in Rückzug oder in Streit über Dinge, die eigentlich nichts damit zu tun haben. Es hilft, sie beim Namen zu nennen. Dann wird aus „Du bist immer so angespannt“ eher „Wir haben beide einen anstrengenden Tag da draußen gehabt“.

Wenn Sie Gewalt oder Bedrohung erlebt haben, finden Sie unter Anlaufstellen Adressen, die sich damit auskennen.

Sex ohne Drehbuch

Viele heterosexuelle Paare folgen beim Sex einem Ablauf, den sie nie gewählt haben: etwas Vorspiel, Penetration, Orgasmus, Schluss. Queere Paare haben dieses Drehbuch weniger, und das kann Sex freier machen. Was als Sex zählt, bestimmen die beiden selbst.

Aber auch ohne Vorlage entstehen Gewohnheiten. Nach einigen Jahren läuft Sex vielleicht immer gleich ab, oder er ist ganz eingeschlafen. Und Scham über eigene Wünsche gibt es in jeder Beziehung. Warum es so schwerfällt, darüber zu reden, beschreibe ich unter Über Sex sprechen.

Familie und Kinderwunsch

Wenn queere Paare Kinder wollen, müssen sie den Weg planen. Samenspende, Pflege oder Adoption, Co-Elternschaft mit einem anderen Paar: Jede Möglichkeit bringt eigene Fragen mit, rechtlich und in der Beziehung. Was ist, wenn nur eine Person biologisch Elternteil wird? Wer entscheidet mit, wenn eine dritte Person beteiligt ist?

Solche Fragen bergen Konflikte, die bei anderen Paaren gar nicht aufkommen. Darüber zu sprechen, bevor die Entscheidung fällt, entlastet oft beide.

Was Sie von einer Therapeutin erwarten dürfen

Sie sollten in einer Paartherapie nicht erst erklären müssen, dass Ihre Beziehung eine Beziehung ist. Ich gehe nicht davon aus, dass Paare aus Mann und Frau bestehen oder monogam leben. Wenn ich einen Begriff nicht kenne oder nicht weiß, wie Sie sich bezeichnen, frage ich nach.

Was in einer Beziehung trägt, ist oft unabhängig davon, wer sie führt: zwei Menschen, die verbunden sein wollen, ohne sich selbst aufzugeben. Darüber schreibe ich unter Differenzierung in der Beziehung. Wie ich mit Paaren arbeite, lesen Sie unter Paartherapie in Berlin.

Porträt Wiebke Bergermann
Geschrieben vonWiebke Bergermann

Heilpraktikerin für Psychotherapie, Sexual-, Paar- und Körpertherapeutin. Praxen in Prenzlauer Berg und Neukölln, Sitzungen auch online.

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