Wer eine Frau zum Orgasmus bringen möchte, braucht vor allem Langsamkeit und Nachfragen. Erregung baut sich in Phasen auf, und jede Phase braucht eine andere Art der Berührung. Die sechs Phasen unten zeigen, wie Sie Ihre Partnerin begleiten können, ohne Druck und ohne dass am Ende ein Orgasmus stehen muss.
Das Modell geht auf die Sexualforscher Masters und Johnson zurück. Sie beschrieben vier Phasen: Erregungsphase, Plateauphase, Orgasmusphase und Rückbildungs- bzw. Entspannungsphase. Ich teile es hier feiner auf.
Vorab: Viele Frauen kommen beim Sex nicht jedes Mal zum Orgasmus, und das ist normal. Die Phasen sind kein Programm, das abgearbeitet werden muss. Ihre Partnerin bestimmt mit: Fragen Sie vorher, was sie mag, und hören Sie sofort auf, wenn sie es möchte.
Die 6 Phasen weiblicher Lust
1. Stimmung aufbauen
Bevor es um direkte Stimulation geht, geht es ums Ankommen.
- Sanfte Berührungen: Leichtes Streicheln, fast über der Haut schwebend, kann die Sinne wecken.
- Küsse an sensiblen Stellen: Hals, Nacken, Gesicht, die Innenseiten der Oberschenkel.
Lassen Sie sich Zeit. Stellen Sie sich den Erregungsaufbau wie einen Jenga-Turm vor: Zu viel Tempo bringt ihn leicht zum Einstürzen.
Tipp: Sparen Sie Vulva und Brustwarzen in dieser Phase bewusst aus. Viele Frauen empfinden direkten Kontakt dort als zu intensiv, solange noch nicht genug Erregung da ist.
2. Warm werden
Jetzt darf die Erregung zunehmen, und Sie nähern sich langsam der Vulva.
- Beziehen Sie die Vulva sanft ein, ohne direkt zu stimulieren oder einzudringen.
- Streichen Sie von oben nach unten sanft über die Klitorisvorhaut, nicht von unten nach oben.
- Statt direkt zur Klitoris zu gehen, berühren Sie die Haut drumherum und die Vulvalippen.
Die Lust darf wachsen, ohne dass Sie schon Richtung Höhepunkt drängen.
3. Lust steigern
In dieser Phase darf die Klitoris über die Vorhaut gezielter einbezogen werden. Probieren Sie Umkreisen, sanftes Auf-und-ab-Streichen oder seitliche Bewegungen aus.
Bleiben Sie dabei eine Weile gleichmäßig, zum Beispiel 10 bis 15 Bewegungen in der Nähe der Klitoris. Dann setzen Sie kurz ab und beginnen wieder. Hier wächst die Vorfreude. Der Orgasmus muss noch nicht kommen.
4. Plateauphase
Jetzt ist Ausdauer gefragt. Verändern Sie Tempo und Druck möglichst nicht. Wenn überhaupt, steigern Sie nur minimal. Unterbrechungen oder abrupte Wechsel können die Erregung in dieser Phase schnell wieder abfallen lassen.
Fragen Sie lieber nach: „Mehr Druck?“, „Schneller?“ oder „Genau so?“
5. Orgasmus
Manche Frauen mögen während des Orgasmus ruhigere, haltende Berührungen. Andere wollen, dass die Bewegung genauso weitergeht. Was Ihrer Partnerin im Höhepunkt guttut, besprechen Sie am besten vorher.
6. Ausklingen oder Zugabe
Hören Sie nicht abrupt auf, es sei denn, Ihre Partnerin wünscht es. Danach ist Zeit zum Kuscheln, zum langsamen Ausklingen oder, wenn Sie beide möchten, für eine weitere Runde.

Eine Frau zum Orgasmus bringen: wie Sie anfangen
Ein Orgasmus ist kein Muss. Er ist eine Einladung.
Nehmen Sie sich nicht alle Phasen auf einmal vor. Fangen Sie mit der ersten an und fragen Sie Ihre Partnerin danach, wie es für sie war.
Kommt sie nicht zum Orgasmus, gehört das genauso dazu. Warum viele Frauen vor allem über die Klitoris kommen, erkläre ich im Artikel Weiblicher Orgasmus: Warum die Art der Berührung zählt. Wenn Druck im Spiel ist, lesen Sie wie Sie Ihrer Partnerin den Druck nehmen können.
Hat sich zwischen Ihnen rund um Lust und Orgasmus Druck oder Frust angesammelt, können Sie das in einer Sexualtherapie gemeinsam anschauen.
Lust ohne Druck.
Sie möchten als Paar entspannter und neugieriger miteinander umgehen? Ich biete Sitzungen in Berlin und online an.
Quellen
- Masters und Johnson (1966). Human Sexual Response. Boston: Little, Brown.

