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Wer einen Orgasmus vortäuscht, antwortet meist auf Druck: Der Orgasmus soll kommen, und er soll bald kommen. Sie nehmen Ihrer Partnerin diesen Druck, wenn der Orgasmus nicht mehr der Maßstab ist – für sie nicht und für Sie auch nicht. Sagen Sie ihr das, und zeigen Sie ihr im Bett, dass Sie es so meinen.

Warum Menschen einen Orgasmus vortäuschen

Vortäuschen ist selten Betrug. Meist ist es eine Lösung für einen Moment, aus dem jemand anders keinen Ausweg sieht. Ihr Gegenüber gibt sich viel Mühe, und sie möchte es nicht kränken. Oder sie ist müde und will, dass der Sex endet, ohne etwas erklären zu müssen. Viele Frauen glauben, sie bräuchten „zu lange“, und spüren die Ungeduld des anderen, bevor sie überhaupt da ist. Manchmal weiß eine Frau selbst nicht genau, was ihr guttut, und spielt deshalb, was erwartet wird.

Auch Männer täuschen einen Orgasmus vor, etwa wenn die Erregung nachlässt und sie den Sex beenden möchten, ohne darüber zu reden. Die Gründe ähneln sich.

Was Vortäuschen mit Druck zu tun hat

Der gespielte Orgasmus bringt kurz Ruhe. Beim nächsten Mal liegt die Messlatte höher: Jetzt soll der Orgasmus wieder kommen, und er soll echt wirken. Ihre Partnerin achtet noch mehr darauf, wie sie wirkt, und spürt noch weniger, was in ihrem Körper passiert. Erregung braucht aber genau dieses Spüren. So wird der echte Orgasmus unwahrscheinlicher und das Vortäuschen naheliegender.

Der Druck kommt selten von einer Seite allein. Vielleicht fragen Sie hinterher, ob sie gekommen ist. Vielleicht ist ihr Orgasmus für Sie der Beweis, dass Sie es gut machen. Wer dem anderen unbedingt Lust machen will, nimmt ihr oft etwas davon. Wie der weibliche Orgasmus entsteht und warum die Art der Berührung dabei so viel ausmacht, lesen Sie in Weiblicher Orgasmus beim Sex.

Fingerspitzen ziehen kleine Kreise auf einem Handrücken.

Wenn Sie vermuten, dass Ihre Partnerin vortäuscht

Sprechen Sie es nicht im Bett an und auch nicht direkt danach. In diesem Moment klingt jede Frage wie ein Vorwurf. Wählen Sie einen ruhigen Moment, und fangen Sie bei sich an statt bei ihr: „Ich habe manchmal das Gefühl, dass du beim Sex unter Druck stehst, vielleicht auch durch mich. Das möchte ich nicht. Wie geht es dir damit?“

Es geht nicht darum, sie zu überführen. Erzählt sie Ihnen, dass sie vorgetäuscht hat, vertraut sie Ihnen etwas Schwieriges an. Vielleicht kränkt Sie das. Sagen Sie ihr trotzdem zuerst, dass Sie froh sind, es zu wissen. Über Ihre Kränkung können Sie später sprechen, wenn Sie beide wieder festen Boden spüren. Warum es so schwerfällt, über Sex zu sprechen, hat oft mit Scham zu tun.

Sechs Wege, den Druck herauszunehmen

Ich schreibe hier von Ihrer Partnerin. Die Anregungen gelten für jedes Gegenüber.

1. Sagen Sie ihr, dass sie keinen Orgasmus haben muss

Zeigen Sie ihr, dass Ihnen das gemeinsame Erleben wichtiger ist als ihr Orgasmus. Sagen Sie es offen, zum Beispiel: „Du musst keinen Orgasmus haben. Für mich zählt, dass wir Spaß zusammen haben und die Zeit miteinander genießen.“

Wenn sie Ihnen das glauben kann, fällt es ihr leichter, sich fallen zu lassen. Sie muss dann auch nichts mehr vorspielen.

2. Mehr Zeit, als sie braucht

Es kann sehr entlastend sein zu wissen, dass sie sich nicht beeilen muss. Ein praktischer Vorschlag: Stellen Sie eine Stoppuhr auf 20 Minuten. In dieser Zeit kann sie genießen, ohne sich zu beeilen und ohne zu fürchten, dass Sie ungeduldig werden. Ein fester Rahmen hilft manchen, die Sorgen beiseitezulegen. Wie Erregung in Phasen verläuft, beschreibe ich in Die Phasen der Erregung.

3. Wertschätzung, auch ohne Orgasmus

Sagen Sie ihr, wie gern Sie sie schmecken und berühren, ganz gleich, ob sie kommt. Zum Beispiel: „Ich genieße es so sehr, dich zu spüren und dir nahe zu sein.“ Oder: „Ich verwöhne dich, weil es mich glücklich macht.“ Solche Sätze kommen an.

4. Erlauben Sie ihr, sich fallen zu lassen

Oft stören Gedanken. Braucht sie zu lange, werden Sie gleich müde? Muss sie Ihnen danach etwas zurückgeben? Sagen Sie ihr, dass sie sich darüber keine Sorgen machen muss. Sie darf einfach da sein, ohne Erwartungen.

Alles, was passiert, ist ein Bonus – nicht der Maßstab für guten Sex.

5. Nicht auf den Orgasmus warten

Vielleicht merken Sie beim Sex, dass Sie sich darauf konzentrieren, wann sie endlich kommt. Dann treten Sie innerlich einen Schritt zurück. Statt zu überlegen, ob sie „jetzt kurz davor“ ist oder wie lange Sie eine Bewegung noch machen sollen, kommen Sie zurück in den Moment. Genießen Sie, wie sie schmeckt und wie sie sich anfühlt, und sagen Sie ihr genau das.

6. Fragen nach Wünschen statt nach der Zeit

Statt „Wie lange brauchst du noch?“ fragen Sie nach dem, was sie möchte: „Möchtest du es schneller, sanfter, kreisender – oder lieber langsamer, fester, hoch und runter?“ Damit zeigen Sie ihr, dass Sie bei ihr sind und nicht bei der Uhr.

Wenn Sie selbst einen Orgasmus vorspielen

Vielleicht lesen Sie diesen Text, weil Sie selbst vortäuschen. Dann haben Sie Gründe dafür, und die verdienen Ihre Aufmerksamkeit statt Ihrer Selbstvorwürfe. Ein erster Schritt kann sein, beim nächsten Mal nichts zu spielen und hinterher zu sagen, was schön war. Wie Sie mit dem eigenen Druck umgehen können, lesen Sie in Ich mache mir Druck, zum Orgasmus zu kommen.

Fangen Sie mit dem ersten der sechs Wege an. Sagen Sie Ihrer Partnerin den Satz nicht mitten im Sex, sondern in einem ruhigen Moment, und fragen Sie, wie es ihr damit geht.

Wenn der Druck rund um den Orgasmus Sie beide schon länger begleitet, können wir in einer Sexualtherapie oder Paartherapie gemeinsam darauf schauen: woher er kommt und was Sie beide sich wünschen.

Gemeinsam entspannter werden.

Wenn Leistungsdruck beim Sex Ihre Nähe belastet, schauen wir gemeinsam hin – als Paar oder allein.

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Porträt Wiebke Bergermann
Geschrieben vonWiebke Bergermann

Heilpraktikerin für Psychotherapie, Sexual-, Paar- und Körpertherapeutin. Praxen in Prenzlauer Berg und Neukölln, Sitzungen auch online.

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