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Wenn Sex in langen Beziehungen zur Routine wird, fühlt er sich oft an wie eine Pflicht: etwas, das man eben tut. Dahinter steht meist eine Frage, die lange niemand gestellt hat – was wollen Sie selbst eigentlich? Die Antwort lässt sich suchen, allein und zu zweit.

Viele kommen irgendwann an diesen Punkt. Fragt man sie, ob ihre Bedürfnisse beim Sex erfüllt werden, wissen sie es nicht. Über die Jahre hat sich ein sexuelles Skript eingeschliffen, ein fester Ablauf, der sich wie von selbst wiederholt: eine Aufforderung, ein kurzes Vorspiel, Penetration, das war’s. Was Sex sonst noch sein kann, ist dabei aus dem Blick geraten.

Warum Sex in langen Beziehungen zur Routine wird

Die Lust vom Anfang lebt von Neuheit, von einem fremden Körper und dem, was man noch nicht kennt. In einer langen Beziehung wird das vertraut. Dazu kommt der Alltag, oft mit Kindern. Dass der Sex dann in feste Bahnen gerät, heißt nicht, dass Ihre Beziehung kaputt ist. Auch dass zwei Menschen unterschiedlich viel Lust haben, gehört zu langen Beziehungen dazu. Ergiebiger als die Frage, wie es früher war, ist die Frage, wie Ihre Lust heute funktioniert.

Was Sex alles sein kann

Sex beginnt oft lange vor dem Bett, mitten im Alltag:

  • ein Flirt mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin in der Küche
  • eine Hand an der Hüfte, ein langer Kuss zwischendurch
  • eine Fantasie, die Sie den halben Tag mit sich herumtragen

Sex ist Reden, Anfassen, Hören, Fühlen, Schmecken, Halten. Er kann eine lange, intime Massage sein, die nicht im Geschlechtsverkehr endet. Auch Selbstbefriedigung gehört dazu: Sie streicheln Ihren eigenen Körper und lernen ihn dabei kennen.

Sex fängt selten im Bett an.

Zwei Menschen stehen mit Zahnbürsten am Waschbecken, beide halten ein Handy.

Ihren eigenen Bedürfnissen auf die Spur kommen

Was Ihnen Lust macht, finden Sie eher beim Ausprobieren als beim Grübeln. Die folgenden Fragen können ein Anfang sein. Nehmen Sie sich eine vor, nicht alle auf einmal.

  • Welche Gedanken erregen Sie?
  • Was tut Ihr Gegenüber, das Sie anmacht?
  • Möchten Sie verwöhnt werden? Oder genießen Sie es mehr, Spannung aufzubauen und die Führung zu übernehmen?
  • Spontaner Quickie oder ein langer Abend – was reizt Sie im Moment mehr?

Richtig oder falsch gibt es dabei nicht. Ihre Antworten dürfen sich mit der Zeit ändern.

Sie können auch beim Körper anfangen statt bei den Gedanken. Achten Sie bei der nächsten Berührung darauf, wo Sie sie spüren, wie Sie dabei atmen und welches Tempo Ihnen gefällt.

Wie Sie es ansprechen

Sprechen Sie außerhalb des Betts darüber, als Neugier auf sich selbst statt als Kritik am anderen. Zum Beispiel: „Ich habe gemerkt, dass ich gar nicht genau weiß, was ich beim Sex mag. Ich würde das gern mit dir herausfinden.“ Anregungen dafür finden Sie in den Fragen für Paare und im Text darüber, wie Sie über Wünsche sprechen.

Wenn keine Antwort kommt

Manchmal macht die Suche erst einmal Druck. Ihnen fällt kaum etwas ein, das Sie anmacht. Oder der Gedanke an Sex fühlt sich schwer an, fast bedrohlich. Das ist kein Versagen. Es hat Gründe, und die lassen sich anschauen.

Bleibt die Lust ganz aus, ist das eine eigene Frage. Tut Sex weh, lassen Sie das bitte ärztlich abklären.

In einer Sexualtherapie gehen wir diesen Gründen nach. Woher kommt der Druck? Was wünschen Sie sich, und wie können Sie es sagen? Das geht allein in einer Einzelsitzung und ebenso als Paar.

Wenn Sie heute anfangen möchten: Nehmen Sie sich eine der Fragen oben und schreiben Sie auf, was Ihnen dazu einfällt. Auch wenn es nur ein Satz ist.

Ihren eigenen Bedürfnissen nachspüren.

Wenn Sex sich nach Pflicht anfühlt, schauen wir gemeinsam, was Sie sich eigentlich wünschen – allein oder als Paar.

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Porträt Wiebke Bergermann
Geschrieben vonWiebke Bergermann

Heilpraktikerin für Psychotherapie, Sexual-, Paar- und Körpertherapeutin. Praxen in Prenzlauer Berg und Neukölln, Sitzungen auch online.

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