Zum Inhalt springen

Vorspiel ist schon Sex, nicht nur das, was vor dem „eigentlichen“ Sex passiert. Für viele heißt Vorspiel: ein bisschen Küssen und Streicheln, dann kommt die Penetration. Wer das Vorspiel so als Auftakt behandelt, übergeht oft genau den Teil, in dem Erregung entsteht.

Was ist ein Vorspiel, was heißt Liebesspiel?

Das Wort Liebesspiel meint die ganze sexuelle Begegnung, nicht einen Teil davon. Die Paartherapeutin Esther Perel sagt: „Vorspiel beginnt nach dem letzten Orgasmus.“ Gemeint ist alles, was zwischen zwei Menschen Spannung erzeugt. Blicke gehören dazu, das Spiel mit der Anziehung, die Neugier aufeinander. Das meiste davon passiert, lange bevor sich jemand auszieht.

Wenn Sex nach Schema läuft

Viele Paare, die zu mir kommen, beschreiben ihre Sexualität als festen Ablauf: „Nach A kommt B – und so läuft es eigentlich immer.“ Folgt Sex jedes Mal demselben Muster, wird das Vorspiel zum Pflichtprogramm. Ein kurzer Auftakt, bevor „es richtig losgeht“. Lust und Neugier bleiben dabei leicht auf der Strecke.

Penetration vor der Erregung

Viele Frauen erzählen mir, dass es zur Penetration kommt, bevor sie überhaupt erregt sind. Das Vorspiel ist für sie kein eigener, lustvoller Teil. Es ist der Übergang zu etwas, das sie selbst gar nicht besonders erregend finden. Dass manche dann innerlich oder körperlich zumachen, ist gut nachvollziehbar.

Das Vorspiel ist der Hauptakt

Stellen Sie sich vor, die Berührung stünde im Mittelpunkt einer Begegnung, und die Penetration wäre eine Möglichkeit unter mehreren.

In der Paartherapie und Sexualtherapie lade ich Paare zu Begegnungen ein, bei denen nichts am Ende stehen muss. Auch kein Orgasmus – in heterosexuellen Beziehungen ist das ohnehin oft nur der des Mannes. Wir schauen gemeinsam, was Lust für Sie bedeutet, wenn niemand etwas leisten muss.

Vorspiel ist keine Vorbereitung auf Sex. Es ist Sex.

Fingerspitzen ziehen kleine Kreise auf einem Handrücken.

Wie lange dauert ein Vorspiel?

Eine richtige Dauer gibt es nicht. Erregung baut sich bei jedem Menschen anders auf, und an manchen Tagen geht es leichter als an anderen. Müdigkeit oder ein ungelöster Streit bremsen sie. Ruhe und das Gefühl, angenommen zu sein, fördern sie.

Hilfreicher als der Blick auf die Uhr ist der Blick auf den eigenen Körper. Wird der Atem tiefer? Möchten Sie mehr von einer Berührung? Solche Zeichen sagen mehr als jede Regel. Sie dürfen sich so viel Zeit nehmen, wie Sie brauchen. Für die meisten Partnerinnen und Partner ist das keine Last. Sie sind froh zu wissen, was Ihnen guttut.

Für Ihre Erregung sind Sie zuerst selbst zuständig. Sie können tiefer atmen, das Becken bewegen, an etwas denken, das Sie anmacht, oder sich selbst berühren. Auch das gehört zum Vorspiel. Was Ihr Gegenüber dazugibt, kommt hinzu. Eine Bringschuld ist es nicht.

Vorspiel bei Frauen und Männern: Menschen sind verschieden

Wer etwas über „Vorspiel bei Frauen“ oder „Vorspiel für Männer“ lesen will, hofft oft auf eine Anleitung. In meiner Praxis sehe ich vor allem, wie verschieden Menschen sind, auch innerhalb desselben Geschlechts.

Viele Frauen erzählen mir, dass sie mehr Zeit und Berührung am ganzen Körper brauchen, bevor sie Lust auf mehr bekommen. Viele Männer erzählen, dass sie sich beim Vorspiel unter Druck fühlen, es „richtig“ zu machen, und dabei selbst kaum zum Genießen kommen. Das sind Erfahrungen, keine Regeln. Die Fragen dahinter stellen sich in jeder Beziehung.

Berührung wird mit der Zeit zur Gewohnheit. Wer lange zusammen ist, berührt den anderen oft so, wie es vor Jahren einmal gepasst hat. Fragen Sie nach: „Was magst du gerade?“ Oder zeigen Sie mit Ihrer Hand, wie Sie berührt werden möchten. Die Antwort Ihres Gegenübers sagt Ihnen mehr als jede Liste darüber, was „Frauen“ oder „Männer“ angeblich mögen.

Fragen für Sie selbst

Im Liebesspiel erkunden Sie sich selbst und den anderen mit allen Sinnen. Diese Fragen können Sie sich vorher in Ruhe stellen:

  • Wo sind die erogenen Zonen meines Gegenübers?
  • Wie möchte ich berührt werden?
  • Kann ich Berührung geben, ohne mich selbst zu verlieren?
  • Erlaube ich mir, mir Zeit zu nehmen – und sie auch einzufordern?
  • Kann ich zulassen, dass eine sexuelle Begegnung nicht in Penetration endet und trotzdem befriedigend ist?

Fragen, die Sie einander stellen können, finden Sie unter Fragen für Paare.

Zum Ausprobieren

Verabreden Sie einen Abend, an dem Penetration ausgeschlossen ist. Was dann zwischen Ihnen passiert, ist das Vorspiel, um das es hier geht. Wie Sie dabei sagen oder zeigen, was Ihnen gefällt, lesen Sie unter Kommunikation beim Sex. Warum die Art der Berührung für den Orgasmus vieler Frauen so viel ausmacht, beschreibe ich unter Weiblicher Orgasmus.

Rutschen Sie dabei immer wieder in den alten Ablauf, oder fällt es Ihnen schwer, darüber zu sprechen, schauen wir uns das in einer Sitzung gemeinsam an.

Wenn Sex nach Schema läuft.

Wenn Sex bei Ihnen immer gleich abläuft, schauen wir gemeinsam, was Lust für Sie beide bedeutet.

Erstgespräch anfragen
Porträt Wiebke Bergermann
Geschrieben vonWiebke Bergermann

Heilpraktikerin für Psychotherapie, Sexual-, Paar- und Körpertherapeutin. Praxen in Prenzlauer Berg und Neukölln, Sitzungen auch online.

Mehr über mich