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Schmerzen beim Sex sind häufig, und trotzdem sind sie nichts, was Sie aushalten müssen. Sie sind ein Signal. Meist wirken der Körper, die Anspannung und die Beziehung zusammen, und alle drei lassen sich anschauen: das Körperliche zuerst ärztlich, das andere auch mit Begleitung.

Wo und wie es wehtut

Schmerz beim Sex ist nicht gleich Schmerz. Manche spüren ein Brennen am Scheideneingang, sobald etwas eindringt. Andere einen dumpfen Druck tief innen, vor allem bei bestimmten Stellungen. Bei manchen tut die Vulva schon bei Berührung weh, bei anderen erst Stunden später. Und auch Menschen mit Penis kennen Schmerzen beim Sex.

Das Fachwort für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr ist Dyspareunie. Es beschreibt nur, dass es wehtut, nicht warum. Für die Suche nach dem Warum helfen genaue Beobachtungen: Wo tut es weh? In welchem Moment? Seit wann? Mit jeder Person oder nur mit einer? Auch bei Selbstberührung oder beim Einführen eines Tampons? Diese Fragen brauchen Ärztin oder Arzt, und sie helfen auch Ihnen, den Schmerz ernst zu nehmen.

Mögliche Ursachen

Selten gibt es nur einen Grund. Körperliche, seelische und partnerschaftliche Anteile greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig. Die folgende Übersicht soll Ihnen beim Gespräch mit der Ärztin helfen. Eine Diagnose ersetzt sie nicht.

Im Körper

Viele Ursachen sind körperlich. Dazu gehören Trockenheit der Schleimhaut, Entzündungen und Infektionen, Hautveränderungen an der Vulva, Endometriose oder Narben, etwa nach einer Geburt. Hormonelle Veränderungen in der Stillzeit oder in den Wechseljahren können die Schleimhaut empfindlicher machen. Manchmal schmerzt die Vulva, ohne dass sich eine Ursache finden lässt. Dafür gibt es den Begriff Vulvodynie. Wie Sex nach einer Geburt sich verändern kann, lesen Sie unter Sex nach der Geburt.

In der Anspannung

Die Vagina weitet sich und wird feucht, wenn jemand erregt ist. Dafür braucht es Zeit. Wer mit dem Eindringen beginnt, bevor der Körper so weit ist, hat ein höheres Risiko für Schmerzen. Das passiert oft, wenn Sex schnell gehen soll oder wenn das Vorspiel als Pflichtprogramm gilt. Mehr dazu unter genug Zeit für Erregung.

Hat es einmal wehgetan, erwartet der Körper beim nächsten Mal wieder Schmerz. Er spannt sich an, schon bevor etwas passiert. Beckenboden und Oberschenkel werden fest, der Atem flach. Die Erregung sinkt, die Schleimhaut bleibt trockener, und es tut wieder weh. So kann ein Kreislauf aus Erwartung, Anspannung und Schmerz entstehen, der mit der ursprünglichen Ursache kaum noch zu tun hat.

In der Beziehung

Viele, die zu mir kommen, haben lange über Schmerzen hinweggesehen. Sie wollten den Partner oder die Partnerin nicht enttäuschen, nicht schon wieder Nein sagen, die Nähe nicht verlieren. Also haben sie durchgehalten. Dahinter stehen oft alte Muster: gefallen wollen, funktionieren müssen.

Der Körper merkt sich das. Sex wird zu etwas, das man aushalten muss, und die Lust zieht sich zurück. Auch ungeklärte Konflikte oder Sex aus Pflicht können dazu führen, dass der Körper zumacht. Der Schmerz ist dann keine Einbildung. Er ist real, und er zeigt etwas.

Wenn sich die Vagina ganz verschließt

Manchmal verkrampfen sich die Muskeln am Scheideneingang so, dass ein Eindringen kaum oder gar nicht möglich ist, auch beim Tampon oder bei der frauenärztlichen Untersuchung. Das nennt man Vaginismus. Ausführlich schreibe ich darüber unter wenn sich die Muskeln am Scheideneingang verschließen.

Warum die ärztliche Abklärung zuerst kommt

Viele Ursachen für Schmerzen beim Sex sind körperlich und lassen sich gut untersuchen. Gehen Sie deshalb zuerst in eine gynäkologische Praxis, mit Penis in eine urologische. Bringen Sie mit, was Sie beobachtet haben: Wo tut es weh, wann, seit wann, wie fühlt es sich an? Schreiben Sie es vorher auf, wenn es Ihnen schwerfällt, im Termin darüber zu sprechen.

Manche Frauen haben schon mehrere Praxen besucht und gehört, es sei „alles in Ordnung“. Das ist zermürbend. Wenn Sie sich nicht ernst genommen fühlen, dürfen Sie eine weitere Meinung einholen. Eine Sexualtherapie kann parallel zur ärztlichen Begleitung laufen. Sie ersetzt sie nicht.

Zwei Hände halten eine Tasse, um die Schultern liegt eine Decke.

Auch Männer kennen Schmerzen beim Sex

Schmerzen am Penis, beim Samenerguss oder im Becken kommen auch bei Männern vor. Ursachen können zum Beispiel Entzündungen, eine zu enge Vorhaut oder Verspannungen im Beckenboden sein. Auch hier gilt: zuerst in eine urologische Praxis. Und auch hier kann die Erwartung von Schmerz den Körper anspannen und den Kreislauf verstärken.

Was Sie selbst und als Paar tun können

Der erste Schritt ist der schwerste und der wichtigste: aufhören, wenn es wehtut. Das ist kein Scheitern. Jedes Mal, wenn Sie über Schmerz hinweggehen, lernt Ihr Körper, dass Sex gefährlich ist.

Eine Stopp-Absprache finden

Vereinbaren Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin ein Signal, das jederzeit gilt. Ein Wort, eine Geste. Wichtig ist, was danach passiert: Sie unterbrechen, ohne dass jemand gekränkt ist, und bleiben trotzdem in Kontakt. Vielleicht liegen Sie einfach nebeneinander. Vielleicht machen Sie mit etwas anderem weiter. Ein Stopp ohne Drama macht es leichter, sich überhaupt auf Nähe einzulassen.

Sex neu sortieren

Sex ist mehr als Penetration. Wenn Eindringen gerade wehtut, kann es eine Zeit lang Pause haben. Was bleibt? Küssen, Streicheln, Berührung mit Händen und Mund, Selbstberührung nebeneinander. Viele Paare entdecken in so einer Pause, was ihnen eigentlich gefällt.

Achten Sie dabei auf Tempo und Erregung. Lassen Sie sich Zeit, bis Ihr Körper wirklich erregt ist. Spüren Sie, wo Sie Spannung halten, und atmen Sie bis ins Becken. Wenn Sie Penetration wieder ausprobieren, bestimmen Sie Tempo und Tiefe.

Darüber reden

„Ich wollte dich nicht enttäuschen“ ist ein Satz, den viele zum ersten Mal aussprechen, wenn sie über Schmerzen reden. Für die andere Person ist das oft erschreckend und erleichternd zugleich. Die meisten wollen nicht wehtun. Sie wussten es nur nicht.

Hilfreiche Sätze sind kurz: „Es tut mir weh, wenn …“ „Ich möchte, dass wir langsamer machen.“ „Ich will dich spüren, aber gerade nicht so.“ Wie Sie die Scham dabei überwinden, beschreibe ich in Die Scham, über Sex zu sprechen.

Wie Sexualtherapie begleiten kann

In einer Sexualtherapie schauen wir, was im Körper und zwischen Ihnen passiert, wenn es wehtut. Der Körper ist dabei nicht der Gegner. Er reagiert auf das, was Sie erleben, manchmal auch auf Dinge, die Ihnen gar nicht bewusst sind. Ich arbeite mit ihm, nicht gegen ihn.

Ein Ansatz, den ich nutze, ist Sexocorporel, ein körperorientierter Ansatz der klinischen Sexologie. Wir achten darauf, wie Sie atmen, wo Sie Spannung halten, wie Sie Erregung aufbauen. Dazu kommen Gespräche über Ihre Geschichte, über Erwartungen und darüber, was Sie in der Beziehung brauchen. In der Sexualtherapie berühre ich Sie nicht, die Kleidung bleibt an. Wer mag, bekommt Übungen für zu Hause. Mehr zur Arbeit mit dem Körper lesen Sie unter Körpertherapie.

Mehr zum Angebot finden Sie unter Sexualtherapie bei Schmerzen beim Sex.

Der nächste Schritt

Sie können allein kommen oder zu zweit, in Neukölln oder in Prenzlauer Berg, auf Deutsch und Englisch. Gespräche, etwa als Paar über Nähe und Sex, sind auch online möglich. Die Kosten tragen Sie in der Regel selbst. Schreiben Sie mir ein paar Sätze. Mehr brauche ich für den Anfang nicht.

Wenn Sex wehtut.

Schreiben Sie mir für ein Erstgespräch, allein oder als Paar. Ich antworte mit einem Terminvorschlag.

Erstgespräch anfragen

Quellen

Porträt Wiebke Bergermann
Geschrieben vonWiebke Bergermann

Heilpraktikerin für Psychotherapie, Sexual-, Paar- und Körpertherapeutin. Praxen in Prenzlauer Berg und Neukölln, Sitzungen auch online.

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